Europaschule in NRW bilingualer deutsch-franz. Zweig AbiBac

Eine Woche voller Erlebnisse, neuer Begegnungen und Denkanstöße!


Unser Austausch fand mit unserer Partnerschule in Châlons-en-Champagne, dem Lycée Pierre Bayen, statt. Wir, die Klasse 10c und die bilingualen Schüler*innen aus der 10d, sind mit sehr viel Aufregung, Nervosität, aber auch viel Vorfreude nach Frankreich gefahren und in die Gastfamilien gegangen, die im Großen und Ganzen sehr nett waren und uns freundlich empfangen haben. Wir haben uns sehr wohl gefühlt und die Zeit dort sehr genossen. Am Ende des Austauschs waren wir sehr zufrieden, haben uns jedoch auch wieder auf zuhause gefreut.

Am Donnerstag, dem 08.10., sind wir um 16.30 Uhr am Lycée Pierre Bayen angekommen und wurden dort von unseren Austauschpartner*innen empfangen. Mit unseren Gastfamilien haben wir dann unseren ersten Abend dort verbracht. Viele von uns haben sich sehr gut mit unseren Austauschschüler*innen verstanden und es konnten neue Freundschaften geknüpft werden, auch innerhalb unserer Bochumer Gruppe.

Im Mittelpunkt unseres Austausches stand das Thema „Il n‘y a guère la paix – wie krieg‘ ich Frieden? Quand l‘histoire marque nos régions“. Dazu haben wir zahlreiche Aktivitäten mit unserer Gruppe unternommen, die uns Spaß gemacht, aber auch zum Nachdenken angeregt haben.

 

Am Freitag besuchten wir zum Einstieg in das Thema das Musée Guerre et Paix - Le musée des trois guerres in Novion-Porcien. Dort lernten wir viel über die drei großen Konflikte zwischen Deutschland und Frankreich, die die Region geprägt haben: den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 sowie den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. Auf dem Rückweg nach Châlons-en-Champagne besichtigten wir die Kathedrale von Reims, die ein bedeutender Erinnerungsort der deutsch-französischen Geschichte und heute ein Symbol für Versöhnung und Frieden ist. Während des Ersten Weltkriegs wurde die Kathedrale bei einem deutschen Beschuss im September 1914 schwer beschädigt und in Brand gesetzt. Ein besonders wichtiges Zeichen der Versöhnung war die Friedensmesse am 8. Juli 1962, an der der französische Präsident Charles de Gaulle und der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer teilnahmen.

Nach dem Wochenende in den Gastfamilien nahmen wir am Montag an einer spannenden Führung durch das Archiv in Châlons-en-Champagne teil. Dort konnten wir Dokumente aus verschiedenen Epochen kennenlernen. In einem Workshop zu Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg schrieben wir außerdem eigene Briefe aus der Perspektive unterschiedlicher Personen. Auch eine Führung durch die Champagnerkeller von Perrier durfte bei unserem Aufenthalt in der Champagne natürlich nicht fehlen.

Während unseres gesamten Aufenthalts erkundeten wir die Spuren von Krieg und Frieden in Châlons-en-Champagne. Bereits in Bochum hatten wir Kurzvorträge zu verschiedenen Erinnerungsorten der Stadt vorbereitet und konnten so selbst als Tourguides die Orte unserer Gruppe erklären. Neben dem Filmfestival War on Screen, verschiedenen Kriegsdenkmälern oder dem Rathaus besuchten wir auch das Grab von Cabu. Der französische Karikaturist Jean Cabut, bekannt unter seinem Künstlernamen Cabu, besuchte das Lycée Pierre Bayen und arbeitete unter anderem für die Satirezeitschrift Charlie Hebdo. Er wurde am 7. Januar 2015 bei dem Terroranschlag auf die Redaktion der Zeitschrift in Paris ermordet. Seine Geschichte zeigt, dass Frieden und Freiheit auch im heutigen Europa keine Selbstverständlichkeiten sind. In Châlons-en-Champagne wurde ihm zu Ehren die Duduchothèqueeingerichtet. In diesem Museum lernten wir seine Karikaturen kennen und erfuhren viel über sein Leben und seine Arbeitsweise.

Eine Aktivität, die viele von uns nicht schnell vergessen werden, war die Führung durch das ehemalige Gestapo Hauptquartier in Châlons, das sich nicht weit von der Schule entfernt befindet. Dort haben wir verschiedene Räume besichtigt, unter anderem ehemalige Zellen sowie eine Folterkammer. Unser Guide hat uns alles ausführlich und verständlich erklärt. Nach dem Besuch waren wir alle sehr berührt und haben viel über die Opfer der Verbrechen der Gestapo nachgedacht. Obwohl wir während des Besuchs ein sehr komisches Gefühl hatten, empfanden wir den Ausflug als sehr wichtig, damit sich die Geschehnisse der Vergangenheit nicht noch einmal wiederholen.

Begleitet wurde unser Austauschthema auch durch ein gemeinsames Projekt mit unseren Austauschschüler*innen. In gemischten Gruppen wählten wir zuerst ein Objekt aus dem Musée Guerre et Paix aus, das für uns die deutsch-französische Kriegsgeschichte widerspiegelt. Anschließend entwarfen wir ein eigenes Friedenssymbol – beispielsweise in Form einer Zeichnung –, das unsere Wünsche und Hoffnungen für die deutsch-französische und europäische Zukunft darstellt. Die entstandenen Plakate sollen bald an beiden Schulen ausgestellt werden.

Als letzte Aktivität passend zu unserem Austauschthema besuchten wir auf der Rückfahrt nach Bochum das Beinhaus von Douaumont auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Verdun. Sowohl den Friedhof mit seinen mehr als 16.000 Soldatengräbern als auch das Beinhaus, in dem die sterblichen Überreste von Zehntausenden nicht einzeln identifizierten Gefallenen aufbewahrt werden, haben uns die Dimensionen der bedeutenden Schlacht des Ersten Weltkrieges eindrücklich vor Augen geführt.

Ein schöner Abschluss unserer Austauschwoche war, dass wir am Tag vor unserer Abreise im Rathaus von Châlons empfangen worden sind. Ein besonderes Highlight war, dass vier Schülerinnen aus der 10c und 10d dort für uns das Lied „Vois sur ton chemin“ gesungen haben.

Was uns in der Woche auch besonders aufgefallen ist, sind die Unterschiede zwischen dem deutschen und französischen Schulsystem. Während wir in Deutschland relativ früh Schulschluss haben, bleiben die französischen Schülerinnen und Schüler oft bis 18 Uhr in der Schule. Sie haben mittags eine lange Pause, in der sie in der Kantine zu Mittag essen können. Was uns am Anfang des Aufenthalts sehr überrascht hat, waren die Taschenkontrollen vor der Schule, die aber den zurzeit in Frankreich stattfindenden Schülerprotesten geschuldet sind.

Unser Austausch war für uns eine unvergessliche Erfahrung, bei der wir viele neue Eindrücke sammeln konnten. Wir haben die französische Kultur und den Alltag unserer Austauschpartner*innen besser kennengelernt, unsere Sprachkenntnisse verbessert und neue Freundschaften geschlossen. Neben den gemeinsamen Aktivitäten und Denkanstößen hatten wir auch viel Spaß und konnten viele schöne Erinnerungen mit nach Hause nehmen. Insgesamt war der Austausch eine tolle Gelegenheit über sich selbst hinauszuwachsen und die gemeinsame Zeit in einem anderen Land zu genießen. Wir werden dieses besondere Erlebnis in Frankreich sicher noch lange in Erinnerung behalten.

Johanne Greiner & Pia Schierenberg aus der 10d

Ein Bild der Skyline der Zeche Bochum